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/ Mai 2021
Danielle Rines, Reebok Editorial

Das Tagebuch eines Ballroom-Vaters

Archie Burnett ist eine Voguing-Ikone und Großvater des legendären House of Ninja. Er gewährt uns ganz persönliche Einblicke in die Ballroom-Szene.

Archie Burnett weiß, wie es sich anfühlt, wenn alle Augen auf ihn gerichtet sind. Die Tanz- und Voguing-Legende und erster Vater des legendären House of Ninja gilt als Ikone der Ballroom-Kultur. Erstaunlicherweise ist Burnett ganz zufällig auf die Ballroom-Community gestoßen. „Mein mittlerweile verstorbener Schwager Tyrone ,The Bone‘ Proctor sagt mir 1981 oder so, ich solle zur Elks Lodge, 160-164 West, 129th St. in Harlem, New York City kommen. Ich war fasziniert von dem, was ich sah. Wow.“ Damals wusste Burnett noch nicht, dass dieser Moment der Startschuss für ein Leben voller Trophäen, Reisen und Weltruhm sein würde. Er wurde Teil von etwas ganz Großem.
 
Die Drag- und Ball-Kultur nahm ihren Anfang allerdings schon weit vor den 80ern, als Burnett die Bühne betrat. Die Balls entstanden als Folge von Unterdrückung und wurden aus der Not heraus geboren. Die ersten Balls fanden innerhalb der Schwarzen und lateinamerikanischen LGBTQ+-Subkultur New Yorks statt und schufen eine neue Community. Sie waren eine Chance, gesehen, gehört und akzeptiert zu werden – im Gegensatz zur Außenwelt, die nicht akzeptierte, wer man war und wen man liebte. 
 
Reebok teilt die Mission, marginalisierten Stimmen Gehör zu verschaffen, die sich für Veränderungen einsetzen. Deshalb dreht sich bei Reeboks Pride-Kampagne 2021, die am 15. Mai startet, alles um die Pioniere des Ballroom, die für ihr Existenzrecht protestierten und auf die Straße gingen. Wir feiern alle Arten von Liebe, einschließlich Selbstliebe. Wir würdigen und feiern die Geschichte der Ballroom-Kultur, die durch TV-Sendungen und Drag-Clubs immer mehr im Mainstream präsent ist.
 
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Die Ballroom-Wettbewerbskategorien setzen sich über kulturelle Normen, die uns auferlegt werden, hinweg und stellen heteronormative Identitäten infrage. Wenn Burnett in einer Kategorie performt, geht er immer völlig darin auf. Er hält das Tanzen für eine universelle und kompromisslose Form der Selbstdarstellung. „Ich sehe den Ballroom als Plattform, um das eigene Talent, die Hingabe, Überzeugungen, Persönlichkeitsfindung, Transformation etc. zu präsentieren.In diesen Arenen können wir glänzen, einen fulminanten Auftritt hinlegen, was auch immer.“ Burnett sagt, die Menschen wollten sich einfach weniger einsam fühlen und ihren Platz in der Gesellschaft finden. „Ihr müsst wissen, wir haben alle in verschiedenen New Yorker Nachtclubs zusammen gefeiert. Überall, von Punkrock-Schuppen über Schwulenbars bis hin zu schicken Etablissements.Es ging darum, loszulassen, zu feiern und ein Zuhause zu finden.“Die Balls waren Safe Spaces, auch wenn am Ende der Nacht kein festes Zuhause oder nur eine Parkbank auf einen wartete.
 
Der mittlerweile verstorbene Godfather of Voguing und Gründer des House of Ninja, Willi Ninja, war Burnetts Mentor und engster Freund. „Ich bin ein sogenannter ,ally‘, mittlerweile würde man ,dedicated ally‘ sagen, aber Willie war mein Freund, mein Bruder – homo- oder heterosexuell zu sein war kein Thema. Willie ging es um Freundschaft und Familie, sei es adoptiert oder durch Blutsverwandtschaft, Punkt!“ Als heterosexueller Mann, der in die Queer-Kultur eintauchte, lernte Burnett einiges von Willie und beiden wurden zu festen Größen innerhalb der Community. Nach Willies Tod im Jahr 2006 macht es sich Burnett zur Mission, sein Lebenswerk fortzusetzen. „Ich war der erste Vater des House of Ninja und es gab seitdem viele weitere, aber ich weiß, wie hart dieser Mann dafür gearbeitet hat, ,jemand‘ zu sein und weltweit respektiert zu werden, das konnte ich nicht im Sande verlaufen lassen. Es wäre unehrenhaft gewesen und ich hätte meinem lieben Freund einen schlechten Dienst erwiesen. KEINE FRAGE. Also gab ich mein Bestes, um sein Lebenswerk mithilfe vieler, die ihn zu Lebzeiten kannten, fortzusetzen.“
 
Das House of Ninja ist für seine temporeichen, eindrucksvollen Performances bekannt und hat mittlerweile über 200 Mitglieder weltweit. Burnett erfreut sich laut eigener Aussage am meisten an Menschen, Reisen und daran, von anderen zu lernen. „Was ich mache ist Sozialarbeit! Diesen Lifestyle einer Bevölkerungsgruppe näherzubringen, die nichts oder nur wenig darüber weiß, kann Neugier wecken. Neugier kann zu Auseinandersetzung führen, Auseinandersetzung kann zu neuem Verständnis führen und dieses Verständnis kann Empathie erzeugen. Diese Empathie ist es dann, die für Veränderung sorgt! Das ist der Prozess.“
 
Jede Voguing-Battle und jeder Schritt, der im Rahmen eines Balls gemacht wird, war und ist immer noch eine Form des Protests. Die Ballroom-Subkultur ist heute lebendiger denn je und wird von einer einzigartigen Community von Menschen zelebriert, die sich gegenseitig unterstützen. Burnett hat persönliche Fotos seiner Erlebnisse zusammengestellt – von seinen Reisen um die Welt, seinen ikonischen Ball-Momenten und Lebensphasen, die ihn besonders geprägt haben. Im Folgenden findest du eine Sammlung seiner Erinnerungenstücke.
 
 

Meine Zeit mit der Ninja-Familie in Norwegen (2018)

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Foto: Cassandra Bendiksen Moldenhauer
 
Nach dem Ball wollten mir meine Kinder das norwegische Landleben zeigen. Einige der atemberaubendsten, malerischsten Landschaften, die ich je gesehen habe.
 
 

Meine Zeit in Tokio bei den Millennium Studios (2015)

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Foto: Eiji Hashimura
 
Das war meine Japan-Tour mit Tanz-Kulturaustausch in Osaka, Hiroshima, Nagoya und Tokyo. Diese Tour wurde von meinen japanischen Ninjas organisiert. Eine 5-Städte-Tour mit Ball, auf der ich den Leuten meine Lebensgeschichte erzählte.
 
 

Mein Besuch in Lagos, Portugal (2018)

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Foto: Joana Matos
 
Ich versuche es jedes Jahr nach Portugal zu schaffen, um Kultur zu vermitteln und Beziehungen zu den jungen Menschen aufzubauen. In Portugal gab's damals noch keine Szene. Sie ist gerade erst am entstehen, darum versuche ich, das Land einmal im Jahr zu besuchen. Diese Fotos habe ich auf Anregung meiner portugiesischen Tochter Joana Matos geschossen und seit dieser Reise mache ich das Gleiche in jedem Land, das ich besuche.
 
 

Mein Effekt für den ersten Ball Norwegens

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Foto: Micheal O
 
Ich war zum ersten Mal in Norwegen, um dort den allerersten Ball (Vogue), „The Ball of Norway“, zu begleiten. Das Motto war eine Rückschau auf die Geschichte des Landes. Es war echt unglaublich, dass zur allerersten Veranstaltung dort über 200 Menschen an dieser großartigen Location namens Sentralen zusammenkamen. Das ist eine alte Bank, die in ein Kunst-Multimedia-Zentrum umgebaut wurde.Das Gebäude war beeindruckend.
 
 

Meine Zeit in London (2017)

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Foto: David Morrison
 
Das war für die Veranstaltung „Werk The Floor“, ein Whacking/Waacking-Event. Ich kam nach London, um Urlaub zu machen, und konnte gleichzeitig meinen Vogue-Neffen Nikolas Snode besuchen. Ich hielt Waacking-Workshops und erlebte die fantastische Club-Atmosphäre des The Book Club in Shoreditch. „4 To The Floor“ – das Highlight in LONDON, KEINE FRAGE!
 
 

Schnappschuss vom London-Urlaub (2017)

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Foto: Tom Oldham, @tommyophoto
 
Auf dem gleichen London-Trip schlug der Fotograf David Morrison vor, dass ich seinen Freund Tom träfe, und dieses Foto ist das Ergebnis des Shootings mit ihm. Tom ist ein großartiger Fotograf.  
 
 

Lissabon (2017)

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Foto: Luis Rocha von The BlackSheep Group, @theblacksheepgroup 
 
Mein jährlicher Besuch in Portugal zum Unterrichten und Austauschen.
 
 

Archie mit 15 (1974)

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Foto: Tammy Sweet
 
Mein kleiner Ausflug in den Central Park mit Freunden. Ich war in ein Sommer-Kunstprogramm bei The Cooper Union im East Village eingeschrieben. Das war das erste Mal, dass ich in den Sommerferien etwas Künstlerisches machte. Meine Eltern konnten es sich nicht leisten, mich in ein Sommercamp zu schicken, aber durchs Brooklyn Museum wurde ich auf dieses Kunstprogramm aufmerksam. Dort traf ich Jugendliche unterschiedlicher Nationalitäten und wir waren eine buntgemischte Crew. Wir machten kleine Ausflüge zusammen. Dieses Foto stammt von einem dieser Ausflüge. Es wurde mit meiner Minolta SR-200 aufgenommen, die ich immer noch habe. Wer hätte ahnen können, dass dieser 15-jährige Junge später einmal so viel Spaß im Leben haben würde? Ich kann euch versichern, damals machte ich mir noch gar keine Gedanken darüber, wo mich mein Leben hinführen und wie es aussehen würde. 
 
 

Mein legendäres Foto (1992)

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Foto: Andrew Eccles
 
Diese Aufnahme war fürs Dance Inc Magazine 1992. Andrew Eccles, mittlerweile ein guter Freund, fotografierte Brahms Lafortune, Barbara Tucker, Willi Ninja and mich für das Magazin.
 
 

Meine damalige Ballroom-Kategorie: „Body“

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Foto: Nora, Parsons-Studentin im Jahr 1990
 
Ich war 31 als dieses Foto gemacht wurde. Die Fotografin Nora war 1990 Studentin am Parsons College. Parsons hatte diese Galerie-Ausstellungen im Eingangsbereich und als Cindy Noras Fotos sah, war sie richtig beeindruckt; vor allem, da viele ihrer Modelle People of Color waren. Cindy beauftragte sie für diese Aufnahmen. Dieses Foto und weitere entstanden in Noras Wohnung.Diese Bilder waren die Idee von Cindy Lee Moon, der jungen Frau auf dem Foto. Sie brauchte Fotos von sich selbst und bat mich, den Part des männlichen Fotomodells zu übernehmen. Das Foto ist mein absolutes Lieblingsfoto aus meinen besten Jahren.
/ Mai 2021
Danielle Rines, Reebok Editorial