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/ Februar 2020
Melanie Wong, Reebok Contributor

Warum können wir schlecht zugeben, dass jemand anders schneller ist?

Ein Abendlauf kann so schön ruhig und entspannt sein bis plötzlich jemand an dir vorbei läuft, der sich etwas beweisen will. Und das sind die Gründe dafür, warum unser innerer Wettkämpfer es nicht ausstehen kann, wenn andere schneller sind.

Als ich vor Kurzem mit dem Fahrrad unterwegs war, traf ich auf einen anderen Radfahrer. Er hatte einen Rucksack umgeschnallt und war mit einer guten Geschwindigkeit unterwegs. Als wir auf den Fahrradweg fuhren, habe ich ihn überholt, ihn dabei rechtzeitig gewarnt und ihm beim Vorbeifahren noch freundlich zugewunken. 
 
Ihm gefiel das allerdings überhaupt nicht.
 
Kurze Zeit später raste er auf mich zu, fuhr mir so dicht wie möglich auf, polterte einige Minuten später an mir vorbei und schnitt mich. Ich fand das zum Teil amüsant, denn ich fahre seit 12 Jahren Fahrrad auf Profi-Niveau und kann mich sehr gut gegen die meisten Radfahrer durchsetzen, also musste ich dem Rucksack-Typen nichts beweisen. Allerdings ärgerte mich sein Verhalten und an diesem Tag ließ ich das nicht durchgehen.
 
Ich beschleunigte bis ich direkt hinter ihm war und sehen konnte, wie er immer mehr vor Anstrengung schwitzte, während er erfolglos versuchte, mich abzuhängen. Dann kamen wir an eine Kreuzung und ich wurde langsamer. Der Rucksack-Typ war jedoch so entschlossen, schneller zu sein als ich, dass er ungebremst auf die Straße raste und fast von einem entgegenkommenden Auto erfasst wurde.   
 
 
Es ist nicht das erste Mal, dass ich beim Überholen eines Radfahrers so ein seltsam aggressives Verhalten erlebt habe. 
 
„Warum ist das so?“, fragte ich meinen Mann, der selbst ein begeisterter Läufer und Radfahrer ist, als ich nach Hause kam. 
 
„Vielleicht konnte der Typ nicht gut damit umgehen, dass er langsamer war als du“, meinte er lachend und gleichzeitig mitfühlend. Nach einer Pause fügte er hinzu: „Ich habe kein Problem damit, dass eine Frau schneller ist als ich. Aber wenn ich Fahrrad fahre oder laufe und jemand vor mir ist, egal ob's ein Mann oder eine Frau ist, versuche ich die Person zumindest einzuholen. Ich möchte nicht, dass irgendjemand schneller ist als ich.“
 

 Jemandem etwas beweisen

 
Das gab mir zu denken: Warum fällt es uns Sportlern, egal ob Wochenendenthusiast oder Semiprofi, so schwer zu akzeptieren, dass andere schneller, fitter oder stärker sein könnten als wir? Und welche Rolle spielt das Geschlecht für das wettstreitschürende Wesen in uns? 
 
Die Radfahrerin Jennifer Barbour hat ebenfalls einen Zwischenfall mit kindlicher Rivalität erlebt.Sie überholte mal einen Radfahrer auf einer Bergstraße. Wegen seiner Kopfhörer konnte er ihre wiederholte Warnung, dass sie ihn von links überholen würde, nicht hören.„Er beschleunigte den Berg runter bist er mich erreicht hatte und hielt mich an meinem Oberteil bei einer Geschwindigkeit von 32 km/h fest, um mir zu sagen, dass ich ihn so nicht hätte überholen dürfen“, erzählt sie. Er war offensichtlich genervt, dass Jennifer schneller war. Wäre er genauso erbost, wenn Jennifer ein Mann gewesen wäre? Sie ist sich da nicht ganz sicher. „Es gibt diesen unausgesprochenen Glauben unter manchen Sportlern, dass Frauen nicht so schnell sind wie Männer“, so Jennifer. „Wenn mich ein Mann überholt, dann ist er halt besser. Aber wenn er von einer Frau überholt wird, dann ist er schwach.“
 
Dieser kulturelle Glaube spiele eine große Rolle bei Spannungen unter Sportlern, meint Sportpsychologe und mentaler Leistungsberater Greg Chertok, der mit Amateur- und Profisportlern in zahlreichen Sportarten arbeitet.„Man muss sich nur mit dem Hintergrund der soziokulturellen Implikationen vorstellen, wie das ist, wenn man von Kindesbeinen an von Trainern, Lehrern, in Werbespots und sogar von den eigenen Eltern gesagt bekommt, dass Jungs besser oder stärker oder schneller sind als Mädchen. Und plötzlich passiert genau das Gegenteil“, erklärt Greg. „Viele von uns gehen davon aus, wahrscheinlich eher sogar unbewusst, dass Männer Frauen in den meisten körperlichen Fähigkeiten überlegen sind und dass Männer, die Frauen unterlegen sind, schwach sind.“
 
Diese Annahmen sind zum Teil auf Biologie begründet: Es lässt sich schwer bestreiten, dass die biologische Komposition und Körperstruktur vieler Männer grundsätzlich die Voraussetzung dafür bietet, dass sie in vielen Sportarten schneller und stärker sein können. Also gäbe es immer diesen Druck, schneller zu sein als eine Frau, erklärt Greg. „Wenn wir das Gefühl haben, dass unser Selbstwert gefährdet ist, werden wir alles in unserer Macht Stehende tun, um ihn zu schützen, sei es mit einem Klugscheißer-Kommentar oder einem aggressiven Überholmanöver“, so Greg. „Die dahinterstehende Motivation könnte hier intrinsischer – „Ich will nicht von einem Mädchen geschlagen werden, weil ich dann ein kläglicher Versager bin“ – oder extrinsischer – „Was werden die anderen von mir denken, wenn sie erfahren, dass ich gegen sie verloren habe?“ – Natur sein.“
 
Aus Erfahrung weiß Lauftrainer Brent Bailey von der Mann-Frau-Dynamik, doch er betont, dass der Siegeswille nicht nur geschlechtsspezifisch ist, also wie mein Mann es auch gesagt hat. Brent warnt seine Sportler davor, vorschnell Rückschlüsse zu ziehen: Vielleicht rammte dir dieser Läufer nicht seinen Ellbogen in die Rippen, weil du eine Frau bist, sonder weil er ein aggressives A-loch ist und sich bei einem Mann genauso verhalten hätte.
 
Laut Experten können Frauen übrigens genauso davor Angst haben, zu verlieren, wie Männer.„Wir leben in einer auf Wettbewerb ausgerichteten Gesellschaft, in der jeder gewinnen und erster sein will“, so Profi-Leistungstrainerin und Psychologin Michelle Cleere.Von Kindesbeinen an werden wir dazu erzogen, für Anerkennung zu kämpfen, egal ob mit einem 1er Notendurchschnitt oder außergewöhnlichen sportlichen Leistungen. 
 
„In den letzten 10 bis 15 Jahren ist Perfektionismus viel schlimmer geworden“, so Michelle. „Unser Sportsystem macht es möglich, denn wir sprechen von natürlichen Fähigkeiten und drängen unsere Kinder in Wettkampfsportarten, wenn sie noch sehr klein sind. Das fördert diesen Siegeswillen, was gut sein kann, aber auch zu Coping-Problemen führen kann, wenn wir nicht gewinnen. Ich arbeite mit einigen Sportlern zusammen, die nicht von der Überzeugung wegkommen „Wenn ich nicht gewinnen kann, was soll dann das Ganze?““
 

Mit den Jungs mithalten

 
Diese Glaubenssätze zu verändern ist nicht einfach – und muss auch nicht immer sein. Man kann sich nur schwer vorstellen, wie Annie Thorisdottir zu ihren CrossFit-Mitstreitern sagt „Nein, bitte, machen Sie erst, vielleicht schaffen Sie noch einen Muscle-up, und ich warte solange.“ Der Unterschied liegt zwischen respektvollem Umgang mit den Mitstreitern und unprofessionellem Verhalten. Ehemalige Team-USA-Bergläuferin Allie „Mac“ McLaughlin sagt, dass es beim Pikes Peak Ascent, einem größeren Bergwettlauf, genug Geschichten darüber gibt, wie Männer in den mittleren Positionen Frauen beiseite schieben, um zu verhindern, dass sie selbst verlieren. „Man würde doch glauben, dass Menschen in dieser Situation weniger egozentrisch wären, aber manchmal ist es genau das Gegenteil“, so Annie.  
 
Allerdings bemerkt sie auch, dass die meisten Läufer, die sie trifft, freundlich sind und sogar, wenn sie beim Lauftraining einen Mann „überholt“, die Interaktion normalerweise ermunternd ist. Sie glaubt, dass diese positive Einstellung teilweise dadurch bedingt ist, dass der Laufsport von Frauen und Männern gleichermaßen betrieben wird und Frauen auf der Weltbühne präsenter sind. (Lies über eine Frau, die in der Welt des Laufsports durch Sneaker-Design Grenzen versetzt.) (Lies über eine Frau, die in der Welt des Laufsports durch Sneaker-Design Grenzen versetzt.)
 
„Es wird immer Männer geben, die Probleme damit haben, wenn sie geschlagen werden, und es gab eine Zeit, als es als beschämend galt, von einer Frau übertrumpft zu werden“, gibt Michelle zu. Sie hat auch schon sexistische Kommentare über Frauen gehört, die in Sport-Bras und Stretch-Leggings laufen und Geschichten über unsportliches Verhalten von Männern, die gegen Frauen gewinnen wollten. Doch Frauen behaupten sich immer mehr im Laufsport und Michelle geht davon aus, dass es für Männer nach und nach ein geringeres Problem darstellen wird, von einer Frau geschlagen zu werden. „Jeder, der etwas vom Laufen versteht, weiß, dass es sehr schnelle Frauen gibt, die den meisten Männer bei einem Wettrennen überlegen wären.“
 
 
Wahrscheinlich sind wir manchmal alle etwas zu gewinnorientiert. Wir kämpfen, was das Zeug hält, um nur nicht von jemand anderes geschlagen zu werden. Gleichzeitig lungern bei uns irgendwo im Hinterkopf überholte Vorstellungen darüber, welches Geschlecht schneller und stärker sein sollte. Im 21. Jahrhundert wollen sich immer mehr Frauen mit Männern messen und Sportler jeden Geschlechts haben den Drang, die Person vor ihnen einzuholen. Und das ist OK – wir dürfen nur nicht vergessen, dass Anstand in den meisten Fällen über dem Siegeswunsch stehen sollte. Manchmal ist es tatsächlich nur eine entspannte Fahrt nach Hause mit dem Fahrrad.
/ Februar 2020
Melanie Wong, Reebok Contributor